„Wir stellen die Weichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt“

„Wir stellen die Weichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt“

Interview Sebastian Burdack ist einer der jüngsten Delegierten auf dem DGB-Kongress, der am 17. Mai zu Ende ging. Was hat ihn besonders bewegt bei all den Abstimmungen und Debatten?

Sebastian, Du bist zum ersten Mal für die IG-BCE-Jugend Delegierter im Parlament der Arbeit, das alle vier Jahre tagt. Was ist für dich das Besondere an so einem DGB-Kongress, wo 400 Delegierte aller acht DGB-Gewerkschaften zusammenkommen?

Arbeit ist einer der größten Faktoren im Leben der meisten Menschen unserer Gesellschaft. Diese gilt es möglichst lebenswert zu gestalten. Der DGB mit seinen sechs Millionen gewerkschaftlich organisierten Mitgliedern bietet die Plattform, dieses Ziel zu verfolgen. Hier stellen wir die Weichen für die Arbeit der Zukunft, aber auch die für gesellschaftliche Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wir positionieren uns zu den Herausforderungen der deutschen, aber natürlich auch europäischen Gesellschaft, und geben diese Signale an Wirtschaft und Politik. Der DGB-Kongress bietet uns, den Arbeitnehmern dieses Landes, die Möglichkeit der Teilhabe und Mitgestaltung unserer Lebens- und Arbeitswelt, das ist etwas Besonderes und nicht selbstverständlich, sondern wurde lange erkämpft.

Welche Anträge und Beschlüsse dieses DGB-Kongress 2018 sind für Dich gewerkschaftspolitisch besonders wichtig?

Für elementar halte ich unsere Forderungen für eine Modernisierung der Betriebsverfassung und die Ausweitung der Tarifbindung. Daneben sind es aber natürlich auch die sozial- und gesellschaftspolitischen Beschlüsse, wie etwa der Beschluss „Gegen Fremdenfeindlichkeit und für eine offene Gesellschaft“. Wir haben außerdem aus Sicht der Arbeitnehmer Leitplanken für die digitale Transformation gesetzt. Und wir haben uns positioniert für einen sozial-gerechten Wandel von Mobilität, Klima und Energie. Insgesamt streben wir eine solidarischere, vielfältigere und vor allem eine gerechtere Gesellschaft in den kommenden Jahren an.

Sebastian Burdack am Stand der Hans-Böckler-Stiftung auf dem DGB-Kongress (Foto: Simone M. Neumann)

Was war für Dich der beste Moment auf diesem DGB-Kongress?

Der für mich beste Moment des Kongresses war die Solidaritätsaktion mit den Kolleginnen und Kollegen des Lieferdienstes Deliveroo. In einer Resolution haben wir einmütig gefordert, dass alle Betriebsräte des vor einem Jahr gegründeten Arbeitnehmergremiums wieder eingestellt werden. Es hat gezeigt, dass auch wenn wir uns im Deutschen Gewerkschaftsbund um Handlungsfelder und Leitlinien für die nächsten vier Jahre streiten, wir doch in der Kultur geeint sind. Die Aktion hat den Kern der Gewerkschaftsbewegung getroffen und gelebte Solidarität ausgedrückt.

Du arbeitest seit Mai im Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung der Hans-Böckler-Stiftung, was nimmst Du vom Kongress mit für die Arbeit in der Stiftung?

Für die Arbeit in der Stiftung nehme ich unter anderem die organisationsübergreifenden Kontakte und Netzwerke mit. Diese können mir helfen, Themen der Stiftung in die Praxis zu tragen und andersherum auch Themen aus der Praxis in die Stiftung. Interessant war es auch festzustellen, welche inhaltlichen bzw. politischen Schwerpunkte die Einzelgewerkschaften haben, je nach ihren spezifischen Problemen in den Branchen. Diese Erkenntnisse können mir zukünftig sicher helfen.

Aufmacherbild: Simone M. Neumann


ZUR PERSON

Sebastian Burdack, 25, hat als Chemielaborant bei Evonik Industries AG in Marl vor zwei Jahren ein berufsbegleitendes Studium begonnen – für Business Administration an der Hochschule FOM. Burdack war von 2013 bis 2018 Mitglied der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei Evonik und engagiert sich seit 2012 in der IG BCE unter anderem als Mitglied der Chemietarifkommission und in der Jugendbildungsarbeit. Seit Mai arbeitet er im Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (IMU) der Hans-Böckler-Stiftung, und setzt auf einer Qualifizierungstelle sein berufsbegleitendes Studium fort.


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