Als einziger SPD-Jurist im Reichstag

Als einziger SPD-Jurist im Reichstag

Rezension Ein Buch erinnert an den Sozialdemokraten Arthur Stadthagen. Er verteidigte Gewerkschaftsmitglieder vor Gericht, schrieb Bestseller und wirkte an der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches mit.

Der Sozialdemokreat Arthur Stadthagen (1857–1917) gehörte zu den bedeutendsten Abgeordneten der SPD im Kaiserreich. Als Reichstagsmitglied von 1890 bis zu seinem Tod 1917 war er ihr Rechts- und Sozialexperte. Seine Rechtsratgeber wurden Bestseller und machen ihn bis heute zu einem Pionier der Rechtsberatung für Arbeitnehmer. Aufgewachsen in einem gläubigen jüdischen Elternhaus, studierte er Jura in Berlin und ließ sich dort 1884 als Rechtsanwalt nieder. Bis zu seinem politisch motivierten Berufsverbot 1892 verteidigte er vor allem Opfer des Sozialistengesetzes, Arbeiter und „kleine Leute“, was ihm erhebliche Konflikte mit der Obrigkeit wie auch mit konservativen Juristen einbrachte. Insgesamt 19 Monate musste er wegen dieses Engagements in Gefängnissen verbringen. Zudem war er häufig Opfer antisemitischer Anfeindungen.

Holger Czitrich-Stahl, der über Arthur Stadthagen promoviert hat und darüber hinaus Herausgeber eines Sammelbandes mit Texten Stadthagens ist, ist mit dem vorliegenden Bändchen aus der Reihe „Jüdische Miniaturen“ des Berliner Verlages Hentrich & Hentrich eine gut lesbare und sehr informative Einführung in Wirken und Werk Stadthagens gelungen. Sie stellt nicht nur die berechtigte Würdigung eines bedeutenden Vorkämpfers für ein soziales Recht dar, sondern weckt auch Interesse, sich weiter mit den Schriften Stadthagens zu beschäftigen. Tatsächlich war Stadthagen bis 1897 der einzige Jurist in der Reichstagsfraktion der SPD. Hier war er maßgeblich an den Debatten um die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) beteiligt.

Stadthagen setzte sich unter anderem für die Aufnahme einer präzisen juristischen Definition des Arbeitsverhältnisses ein – eine bis in die heutige Zeit immer wieder neu diskutierte Frage. Daneben entfaltete er große publizistische Wirkung – vor allem mit dem mehrfach aufgelegten, gleichzeitig grundlegenden und Handreichungen bietenden Band „Das Arbeiterrecht. Rechte und Pflichten des Arbeiters in Deutschland aus dem gewerblichen Arbeitsvertrag der Unfall-, Kranken-, Invaliditäts- und Altersversicherung. Mit Beispielen und Formularen für Klagen, Anträge, Beschwerden, Berufungen usw.“ Während des Ersten Weltkriegs gehörte Stadthagen in der SPD-Fraktion zu den Gegnern der Burgfriedenspolitik. Er wurde wegen siner Positionen schließlich aus der SPD ausgeschlossen und zählte 1917 zu den Gründern der USPD.

Foto: Karsten Schöne


Holger Czitrich-Stahl: Arthur Stadthagen: Parlamentarier, Sozialdemokrat, Wegbereiter des Arbeitsrechts. Berlin, Hentrich & Hentrich, 2018, 66 Seiten, 8,90 Euro


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