Alternative Jobs in Krisenzeiten

Alternative Jobs in Krisenzeiten

Stiftung Wie kann man den Übergang von Beschäftigten in andere Unternehmen verbessern? Die schwedischen Job Security Councils beraten Unternehmen frühzeitig und finanzieren dies solidarisch auf Branchenebene. Ein Modell?

Krisen und Umstrukturierungen betreffen zunehmend mehr Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Doch vielfach sind Betriebsräte nicht ausreichend vorbereitet auf die darauf folgenden Verhandlungen, die für die Zukunft der Beschäftigten entscheidend sind.

Dies gelte im Übrigen auch für viele Personalabteilungen, beobachtet Jan-Paul Giertz von der Hans-Böckler-Stiftung. „Wenn es um die konkrete Gestaltung des Beschäftigungstransfers geht, sind die betrieblichen Akteure auf beiden Seiten häufig überfordert“, erklärt der Referent in der Abteilung Mitbestimmungsförderung. Transfersozialpläne seien oft mit der heißen Nadel gestrickt und werden den Bedürfnissen der Beschäftigten nur bedingt gerecht. Auch die Auswahl der Transfergesellschaften, die sich um Qualifizierung, Fortbildung und Arbeitsvermittlung kümmern, fällt oft schwer.

Dass es besser laufen könnte, zeigt seiner Meinung nach die schwedische Erfahrung mit dem Instrument der Job Security Councils. Deshalb hat die Hans-Böckler-Stiftung ein Forschungsprojekt über diese Räte zur Arbeitsplatzsicherung gefördert. Nun liegt der Bericht der Forscher Kathrin Filipiak und Gernot Mühgvom  Bochumer Helex-Institut mit dem Titel „Job Security Councils. Impulse für die Mitbestimmung“ vor.

Von den Sozialpartnern ausgehandelt, für Unternehmenskrisen gedacht

Die Councils wurden in den 1970er Jahren von den Sozialparteien ausgehandelt und als Stiftungsmodell gestaltet. Sie sind ein kontinuierliches Instrument, um den Beschäftigten bei Unternehmenskrisen Beratungs- und Vermittlungsdienste bereitzustellen. Heute existieren in Schweden 15 dieser „Job Security Councils“. Sie basieren jeweils auf einem Branchentarifvertrag und werden von einer paritätischen Kommission kontrolliert. Die Finanzierung erfolgt aus den Mitgliedsunternehmen.

Kathrin Filipiak und Gernot Mühge vom Helex-Institut in Bochum haben das schwedische Modell untersucht. (Foto: Karsten Schöne)

Rund 90 Prozent der Erwerbspersonen können heute die Basisleistungen der Stiftungen, vor allem Beratung, in Anspruch nehmen. In Schweden liegt der Anteil der Personen, die innerhalb eines Jahres wieder Beschäftigung finden, mit 85 Prozent wesentlich höher als in Deutschland und anderen OECD-Ländern. Ausgeschlossen sind allerdings Beschäftigte mit befristeten Verträgen, das heißt vor allem jüngere Arbeitnehmer. Die Studie untersuchte zwei Job Security Councils, die jeweils 500 und 32 000 Unternehmen vertreten.

Interessant sind zwei entscheidende Unterschiede zum deutschen Transfermodell, die der Bericht herausarbeitet: In Schweden wird der Beschäftigtentransfer nicht erst dann finanziert, wenn die Krise schon voll eingetreten ist; und er wird auch nicht davon abhängig gemacht, ob das einzelne Unternehmen finanzkräftig genug ist, die Beratung zu bezahlen. Nach dem solidarischen Versicherungsprinzip werden die Kosten (und damit das Kostenrisiko) zwischen den Unternehmen des jeweiligen Tarifvertrags aufgeteilt.

Es wurde klar, dass die Transfergesellschaften oft nicht zeit- und situationsgemäß funktionieren.
Jan-Paul Giertz

Zum zweiten fließen die Erfahrungen aus den Transferaktivitäten kontinuierlich in die Beratungs- und Vermittlungspraxis ein, die auf Branchenebene organisiert wird, wobei die Arbeitnehmervertreter von Anfang an involviert sind. Dadurch können die Lösungen für die Betroffenen ständig optimiert werden. In Deutschland hingegen müssen die betrieblichen Parteien bei einer Unternehmenskrise „im jeweiligen Einzelfall und oft ohne Erfahrungswissen verhandeln“, so der Bericht.

Diese Schwierigkeiten bestätigen deutsche Betriebsräte und Gewerkschaftsvertreter, die an einem Auftaktworkshop der Hans-Böckler-Stiftung zum Thema der Job Security Councils teilgenommen haben. „Es wurde klar, dass die Transfergesellschaften oft nicht zeit- und situationsgemäß funktionieren“, erklärt Jan-Paul Giertz. Das schwedische Modell könne hier wichtige Anregungen geben, auch was die Verbindung mit tarifpolitischen Instrumenten betrifft. Auch der Kommissionsbericht „Zukunft der Arbeit“ betont, dass das Thema Beschäftigungstransfer weiter an Bedeutung gewinnt. „Denn“, so Giertz, „letztendlich geht es nicht nur um Krisenmanagement, sondern darum, den Umbruch in der Arbeitswelt zu gestalten.“

Aufmacherfoto: Skyltideal


WEITERE INFORMATIONEN

Kathrin Filipiak, Gernot Mühge: Job Security Councils, Projektbericht Helex-Institut. In: Mitbestimmungspraxis Nr. 11, Februar 2018 der Hans-Böckler-Stiftung.

Siehe auch Impuls Nr. 3/2018: „Von Schweden lernen


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