Ein Elektronengehirn für den Quelle-Konzern

Ein Elektronengehirn für den Quelle-Konzern

Fundstück In den 40er Jahren werden die ersten elektronischen Rechenmaschinen gebaut. Ein Jahrzehnt später beschließt der Versandhändler Quelle, die Bestellungen mithilfe eines Computers zu verarbeiten.

Ein technisches Wunderwerk nimmt Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard am 6. Dezember 1957 in Augenschein: das „Elektronengehirn“ des Großversenders Quelle. Zeuge der Zeremonie ist Firmeninhaber Gustav Schickedanz (direkt hinter Erhard). Bei der Rechenanlage handelt es sich um einen Sieben-Bit-Rechner mit einem Arbeitsspeicher von 200 Wörtern, gebaut von der Standard Elektrik AG.

Um die stetig wachsende Zahl an Bestellungen zu bewältigen, kann das Elektronengehirn, das nicht mehr mit Röhren, sondern mit Halbleitern arbeitet, bis zu 100 000 Pakete pro Tag auf die Reise schicken. Die Bestellungen werden an Terminals manuell eingegeben – der Computer druckt dann maschinenlesbare Warenscheine und steuert die Transportbänder, sodass Bestellungen aus mehreren Warenposten im Lager schnell und effizient zusammengefasst werden.

Software gibt es nicht. Das System arbeitet mit fest verdrahteten Programmen, die per Tastendruck eingeschaltet werden. Um Preise zu aktualisieren, muss man in die Hardware eingreifen. Quelle beweist, dass Computer nicht nur, wie seit den 40er Jahren unter Beweis gestellt, als Rechensysteme nützlich sind, sondern auch in der Prozesssteuerung.

Eine erste Bewährungsprobe besteht das „Informatik-System Quelle“ beim Weihnachtsgeschäft 1957, als die Bestellungen mit 400 Arbeitskräften abgewickelt werden können statt wie bisher mit 1200. Quelle ist nicht die einzige Firma, die die Großrechner einsetzt. Beim Versicherungskonzern Allianz ist ein Rechner des US-Herstellers IBM in Betrieb. Auch der Autohersteller Opel, der Chemiekonzern Bayer oder die Deutsche Bundesbahn setzen auf die neue Technik.

Der Fortschritt breitet sich langsam aus. Nicht einmal 100 solcher Rechenanlagen sind Ende der 1950er Jahre in Deutschland im Einsatz, in den USA sind es bereits über 2000. Der Siegeszug der Elektronengehirne ist zudem umstritten. „Sie lenken und beaufsichtigen industrielle Arbeitsvorgänge, ersetzen die Menschen, vertreiben sie aus den Büros und von den Arbeitsplätzen an den Fließbändern“, skizziert der Spiegel bereits 1956 die digitale Zukunft.

Was der Computer für die Menschen im Büro bedeutet, untersuchen deshalb seit Anfang der 1970er Jahre Forscher des Wissenschaftszentrums Berlin am Beispiel der Rentenversicherungskasse. Sie stellen neben Erleichterungen auch negative Effekte fest. Zeitersparnisse werden durch immer komplexere Vorgänge konterkariert. Bisweilen fühlen sich Mitarbeiter zu bloßen Gehilfen der Computer degradiert, teilweise geht die Identifikation mit der eigenen Arbeit verloren.

Der Erfolgsgeschichte der Computer tun diese Probleme jedoch keinen Abbruch.

Foto: Ullstein

Rätselfragen

1. Wie hieß der 1941 von Konrad Zuse gebaute, erste funktionstüchtige Computer der Welt?

2. Mit welchem Kaufhauskonzern fusionierte das Versandhaus Quelle 1999?

3. Wie hieß der Computer, der den Schachgroßmeister Garri Kasparow 1996 erstmals in einem Spiel besiegen konnte?

Alle richtigen Einsendungen, die bis zum 24. März 2017 bei uns eingehen, nehmen an einer Auslosung teil.

Preise

1. Preis: Gutschein der Büchergilde Gutenberg, Wert 100 Euro

2.–4. Preis: Gutschein der Büchergilde Gutenberg, Wert 50 Euro

Schicken Sie uns die Lösung

Redaktion Mitbestimmung

Hans-Böckler-Straße 39

40476 Düsseldorf

E-Mail: redaktion@boeckler.de

Fax: 0211/7778-225

Auflösung der Rätselfragen 6/2016

Haus Doorn

Zirkus Busch

1950

Den 1. Preis hat Jana Hoffmann aus Hattingen gewonnen. Je einen 50-Euro-Gutschein erhalten Walter Haas aus Lachendorf, Steffen Kutscher aus Bönnigheim und Lisa Vollmer aus Berlin.

Aus unserer aktuellen Ausgabe

ThyssenKrupp Tata: Es geht ums Ganze

Thema 7 Minuten lesedauer