Experte für gute Beziehungen

Experte für gute Beziehungen

Portrait Der ehemalige Böckler-Stipendiat Arne Schneider arbeitet als Referent beim Auswärtigen Amt. Sein Traum ist, Diplomat zu werden. Neben einer guten Ausbildung bedarf es dazu der Fähigkeit, sehr sensibel mit Worten umzugehen.

Viel Zeit zum Eingewöhnen bekam Arne Schneider nicht. Als der junge Politik- und Verwaltungswissenschaftler im Juli 2016 seinen Job im Auswärtigen Amt antrat, brannte in der Berliner Diplomatie gerade mal wieder die Luft. Während die Griechenland- und die Euro-Krise noch immer am Köcheln waren, hatte im Herbst 2015 auch noch der Treck von Flüchtlingen auf dem Landweg nach Europa eingesetzt.

Der Eingang des Auswärtigen Amtes in Berlin.

Für so viele Brandherde brauchte das Amt dringend weiteres Personal. So kam der 27-Jährige an seiner ersten richtigen Arbeitsstelle nach dem Studienabschluss gleich zu einem Spitzenjob und durfte sofort loslegen. „Man hat mich gleich ins kalte Wasser geworfen. Das ist das Schöne hier: Es wird viel erwartet, aber es wird einem gleich viel zugetraut“, erzählt er.

Im Referat EU-Außenbeziehungen ist Schneider nun im Unterreferat Migration tätig und beackert geografisch den Bereich Westbalkan, Serbien und Griechenland. Er kümmert sich um Fragen, wie die Ankunft von Flüchtlingen in Griechenland gemanagt und deren Umverteilung in Europa geregelt werden soll. Auch die Reform des gemeinsamen europäischen Asylsystems zählt zu seinem Aufgabenbereich. Das klingt imposant, doch wie sieht seine Arbeit konkret aus?

„Zu meinem Brot-und-Butter-Geschäft zählt unter anderem die Erstellung von Gesprächsunterlagen und Sachstandsberichten für Bundesminister, den Bundespräsidenten oder auch die Kanzlerin“, schildert Schneider den Arbeitsalltag. Ebenso beantwortet er für das Amt Anfragen von Bürgern oder Kleine Anfragen von Bundestagsabgeordneten zum Thema Flucht und Migration.

Arne Schneider im "Weltsaal", dem größten Festsaal im Auswärtigen Amt

Wie fühlt es sich für den gebürtigen Frankfurter an, so nah am Puls der aktuellen Außenpolitik zu sein? „Es ist eine ziemlich ehrenvolle und abwechslungsreiche Aufgabe. Zugleich lernt man schnell, Respekt und Demut vor dieser Tätigkeit zu haben, denn man muss sehr sensibel mit dem Wort umgehen“, sagt der Referent. Am Anfang war seine Lernkurve steil. Etwa bei der Frage, wem man was wie sagt. Aufpassen, Worte mit Bedacht wählen oder besser schweigen – alles Kerntugenden für seine Arbeit.

Ohne eine exzellente Ausbildung hätte Schneider es wahrscheinlich nicht hierher geschafft. Seine Qualifizierungslaufbahn liest sich beeindruckend: Masterabschluss in europäischer Politik- und Verwaltungswissenschaft am College of Europe im belgischen Brügge, der Kaderschmiede der Europäischen Union. Während des Studiums und kurz danach Auslandsaufenthalte in Quebec, Wien sowie ein Jahr in Paris, darunter ein halbes Jahr am Institut d’Études Politiques de Paris.  Komplettiert wird die Liste durch zahlreiche Praktika.

Flurtrakt im Altbau des Auswärtigen Amtes.

Möglich machte dies vor allem die Unterstützung durch die Hans-Böckler-Stiftung, wofür Schneider bis heute dankbar ist. Als er anfing zu studieren, hätte er nie geglaubt, eine Chance auf ein Stipendium bei der Stiftung zu haben. „Ich hatte da einen Elitebegriff im Kopf – und fühlte mich selbst eigentlich nicht dazugehörig“, so der Sohn eines Industriekaufmanns. Die Hans-Böckler-Stiftung habe ihm diese Angst aber schnell genommen.

Schneiders Stelle ist zunächst bis 2018 befristet. Er möchte aber unbedingt im Auswärtigen Amt bleiben und ein richtiger Diplomat werden. Derzeit ist der angestellte Referent das nicht, denn Diplomaten durchlaufen als Beamte eine eigenständige Ausbildung. Als Diplomat müsste er regelmäßig im Ausland arbeiten und nach wenigen Jahren weiterziehen. Familienfreundlich ist das nicht, die Scheidungsquote unter Mitarbeitern des Auswärtigen Amtes ist sehr hoch. Abhalten wird das Arne Schneider aber nicht. Dazu macht ihm der Job zu viel Spaß.

Fotos: Stephan Pramme

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