Ich bediene eine CNC-Fräsmaschine bei Bosch

Ich bediene eine CNC-Fräsmaschine bei Bosch

Mein Arbeitsplatz Rainer Hack, 50, ist Maschinenschlosser und arbeitet mit einer CNC-Fräsmaschine für Einzelstücke und Kleinserien. Sein Arbeitsplatz wird gerade digitalisiert.

Seit 29 Jahren arbeite ich jetzt hier bei Bosch in Bamberg. Ich bin gelernter Maschinenschlosser und bediene eine CNC-Fräsmaschine. Hier im Musterbau sind wir rund 400 Kollegen, die Teile als Einzelstücke oder in kleinen Serien herstellen, etwa für Prototypen, um neu entwickelte Einspritzsysteme zu testen und den Automobilherstellern präsentieren zu können.

Wenn ich von den Planern einen neuen Auftrag bekomme, lade ich das entsprechende CNC-Programm in die Maschine. Dann schaue ich nach, mit welchen Werkzeugen ich die Fräse genau bestücken muss, etwa welche Bohrer ich genau brauche. Dann kann die Produktion starten. Die Teile prüfe ich anschließend ganz genau, ob auch alle Maße eingehalten werden. Gegebenenfalls muss ich das Programm entsprechend anpassen.

Rainer Hack bei seiner täglichen Arbeit mit einer CNC-Fräsmaschine. (Foto: Andreas Kraft)

Momentan haben wir sehr viele Aufträge. Die Maschinen müssen rund um die Uhr laufen. Ich arbeite deshalb derzeit ein halbes Jahr nur in Nachtschicht. Ich fange jetzt immer um 22.30 Uhr an und arbeite dann bis früh um 6.00 Uhr. Nach der Schicht fahre ich dann beim Bäcker vorbei, hole frische Brötchen und mache für meine Frau und meine zwei Töchter Frühstück. Wenn die aus dem Haus sind, lege ich mich dann schlafen.

Seit dem Sommer haben wir die Produktion auf Industrie 4.0 umgestellt. Die Fräser und Dreher haben jetzt alle Tablets, die uns bei der Arbeit unterstützen. Anfangs waren ein paar Kollegen skeptisch. Aber ich war schon immer ein bisschen technikaffin und gegenüber der Sache recht aufgeschlossen, auch weil wir von Anfang an einbezogen wurden. Letztlich wurde eine App für das Tablet nach unseren Wünschen entwickelt, um für 80 Prozent unserer täglichen Anwendungen, Dateien und Ordner den Schnellzugriff zu ermöglichen. Inzwischen probieren zumindest alle die neue Technik aus. Sie nimmt uns nichts weg, sie hilft uns bei der Arbeit.

Sehr gut finde ich zum Beispiel, dass jetzt jeder das Tabellenbuch Metall auf seinem Tablet hat und sofort alle Formeln für Berechnungen oder die Toleranzen für Passungen nachschlagen kann. Früher musste ich das Buch immer suchen und wenn ich es dann irgendwo gefunden habe, war es oft veraltet.

Was die Arbeit zusätzlich erleichtert, ist, dass jetzt jeder ein digitales Profil mit Zugriff auf alle Kommunikationstools hat. Gerade in der Nachtschicht ist das hilfreich. Wenn sich etwa ein Fehler in die CNC-Datei geschlichen hat, kann ich schnell ein paar Fotos mit dem Tablet machen, das Problem kurz beschreiben und ins Büro schicken, wo es zeitnah in der Frühschicht bearbeitet wird.

Zusätzlich gibt es ein digitales Schichtbuch, sodass auch alle Mitarbeiter untereinander immer auf dem aktuellen Stand sind. So kommunizieren wir über Schichten hinweg. Das hilft ungemein. Aber wir reden natürlich immer noch miteinander. Ein persönliches Gespräch kann man einfach nicht ersetzen.

Aufmacherfoto: Andreas Kraft

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