Ich beherberge Gäste auf der Osterinsel

Ich beherberge Gäste auf der Osterinsel

Mein Arbeitsplatz Peter Naef, 55, vermietet Bungalows auf der Osterinsel. Der Schweizer hat schon vieles gemacht – Mechaniker gelernt, Abi nachgeholt, war Fußballtrainer, Sozialarbeiter, Flugbegleiter. Bis er Reiseleiter wurde und seine Frau, eine Rapa Nui, kennenlernte.

Manchmal spiele ich noch den Reiseleiter und führe meine Gäste zu den Moais, den Tempelanlagen. Zuerst schauen wir uns die mutwillig umgestürzten Kultfiguren an, die mit dem Gesicht in der Erde liegen. Am Steinbruch, wo 397 dieser Riesen wie planlos herumstehen, erzähle ich vom Untergang dieser polynesischen Kultur. Dann erst führe ich die Leute zu einer der restaurierten Tempelanlagen, wie den Ahu Tonganki, wo 15 mächtige Figuren dem Meer den Rücken zuwenden.

Meine Gäste kommen aus aller Welt, sie fliegen fünf bis sechs Stunden von Santiago der Chile herein oder sie kommen von Tahiti auf diese Insel, die so isoliert liegt wie kein anderer bewohnter Ort der Erde. Und die eine so großartige Kultur hervorgebracht hat.

Mein Arbeitsplatz ist ein 350-x-250-Meter-Grundstück mit Blick auf den James Cook Point, wo der Erdumsegler 1774 ankerte. Hier bin ich der Manager einer Drei-Bungalow-Anlage, die meiner Frau Tiare gehört und die meine zwei kleinen Töchter erben werden, denn nur Rapa Nui können hier Land besitzen. Ich nicht. Ich werde nie Insulaner sein.

Die drei Bungalows, die Peter Naef vermietet. (Foto: Mike Rabe)

Mein Arbeitsalltag besteht darin, die Bungalows zu putzen, in Hanga Roa für das Frühstück der Gäste einzukaufen und meine beiden Töchter zu umsorgen, wenn meine Frau als Flugbegleiterin nach Tahiti und zurück fliegt. Und ich maile mit meinen Gästen auf Englisch, Deutsch, Spanisch, versorge sie mit Extra-Infos, Fotos und ein bisschen Vorfreude.

Ich habe die drei Bungalows – und unser Wohnhaus daneben – mit eigenen Händen gebaut, zusammen mit meinem Schwiegervater, einem Rapa Nui. Er hatte mir seitenlang das Material aufgelistet, das ich in Santiago de Chile bestellen, einkaufen, einlagern und verschiffen sollte – und es wurde ein Höllenjob. Ich bestellte, aber dann kam 2010 das schwere Erdbeben, und das Material wurde vom Staat beansprucht. Ich musste insgesamt 30 Tonnen zur Hafenstadt Valparaiso transportieren und immer wieder zwischenlagern lassen. Das Schiff fuhr nur einmal pro Monat, und ich hatte überall mit vermachteten Strukturen zu tun.

Wir eröffneten am 1. Januar 2011, und ich hatte kein Geld mehr, Bungalow Nummer zwei und drei einzurichten, also arbeitete ich als Reiseleiter für Studiosus hier auf der Osterinsel. Dann ging es aufwärts, wir wurden in Reiseführern erwähnt. Heute haben wir eine Auslastung von 75 Prozent, exzellente Bewertungen und sind sehr zufrieden. Meine Pläne? Ich werde noch einen etwas größeren Bungalow bauen und ein paar Mietautos für meine Gäste kaufen.

Reich wird man nicht, aber wir müssen hier keine Steuern zahlen, die Krankenversorgung ist gratis. Einziger Nachteil, wenn man auf so einer Insel lebt: Ich habe neben meiner Familie so gut wie kein soziales Leben. Jeder bleibt in seinem Clan, es gibt 36 Clans, die regieren die Osterinsel.

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