Ich bin Straßenwärterin auf der A 42

Ich bin Straßenwärterin auf der A 42

Mein Arbeitsplatz Kirsten Schütz, 48, arbeitet als Straßenwärterin in der Autobahnmeisterei Gelsenkirchen. In der Meisterei ist sie seit 32 Jahren. Wir treffen sie an der Auffahrt Gelsenkirchen-Bismarck.

„Ich kontrolliere die Strecken hier in der Umgebung. Das bedeutet, ich fahre ein- bis zweimal die Woche Autobahnen und Bundestraßen ab. Akute Schäden wie Schlaglöcher oder umgefahrene Verkehrsschilder beseitige ich sofort. Größere Schäden an Leitplanken oder wenn die Pflanzen in die Straße hineinwachsen, gebe ich weiter an meine Kollegen, die den Auftragszettel dann zeitnah abarbeiten müssen. Unser Chef kontrolliert: Wann wurde was gesichtet und erledigt?

Handarbeit: Zum Job gehört es, Schraubverbindungen an den Leitplanken zu prüfen. (Foto: Karsten Schöne)

Es ist kein ungefährlicher Job, von daher wird Sicherheit großgeschrieben. Ich trage Warnkleidung, mein Auto hat hinten Blinklampen, ein Kreuz und einen Pfeil, sodass jeder mich sieht, zumal ich ja langsamer fahre. Einmal ist mir ein junger Mann hinten auf den Absperrwagen gefahren. Zum Glück nur Blechschaden. Wir werden intensiv geschult. Da lernen wir, wie wir an einer engen Stelle aus dem Wagen aussteigen oder wie man schnell über die verschiedenen Schutzplankensysteme rüberkommt. Im Notfall springt man einfach drüber. Und rollt sich ab.

Wer rennt, der fällt, und wer fällt, der ist tot – einer der wichtigsten Sätze, die ich in der Ausbildung lernte.

Kritisch ist, wenn wir ein Teil vom Mittelstreifen holen müssen. Dann warte ich, bis sich eine Lücke im Verkehr ergibt, oder folge der Anweisung: Kein Risiko, dann besser eine Sicherung holen, eventuell auch die Polizei. Eine Regel heißt auch: Beim Queren der Fahrbahn nicht rennen! Wer rennt, der fällt, und wer fällt, der ist tot – einer der wichtigsten Sätze, die ich in der Ausbildung lernte. Auch wer Routine hat, darf nie die Risiken ausblenden. Es geht um Menschenleben.

Gut zu sehen: Wenn gehalten wird, wird das Fahrzeug mit Kegeln und Lichtsignal gesichichert. (Foto: Karsten Schöne)

Es ist belastend für uns, wenn wir mit schweren Unfällen konfrontiert werden, während wir den Verkehr absichern oder ableiten. Wenn es auf der Autobahn mal kracht, dann kracht es meistens gleich richtig. Als Gewerkschafterin bin ich froh darüber, dass wir einen Vertrag mit einem psychologischen Notdienst haben, wo wir das Erlebte auch im Gespräch verarbeiten können.“

Text und Foto: Karsten Schöne

Aus unserer aktuellen Ausgabe

LABOR.A – Plattform „Arbeit der Zukunft“: „Wie ein Bienenstock“

Stiftung 6 Minuten lesedauer