Ich leite eine Sternwarte

Ich leite eine Sternwarte

Portrait Benjamin Mirwald, 37, leitet die Bayerische Volkssternwarte der Rosenheimer Straße 145H, München. Während seines Physikstudiums war er Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung.

„Ich habe nicht wirklich einen Arbeitsplatz – eher sind es ganz viele. Natürlich arbeite ich mit dem Teleskop, um die Sterne zu beobachten, aber ich mache auch Führungen im Planetarium oder treffe mich mit unseren Ehrenamtlichen. Die Volkssternwarte ist als Verein organisiert, aber zum Glück bekommen wir auch Zuschüsse von der Stadt München. Nur dadurch ist es uns möglich, unsere hauptamtlichen Mitarbeiter zu bezahlen.

Im Treppenhaus der Volkssternwarte München hat ein Raketenmodell seinen Platz gefunden. (Foto: Werner Bachmeier)

Als studierter Physiker mit einem Doktortitel in Wissenschaftsgeschichte bin ich auch Berater für unsere „Citizen Scientists“, die Wissenschaft zu ihrem Hobby gemacht haben. Die Sternwarten haben da eine lange Tradition. In der Gründungszeit vor gut 100 Jahren haben sie dabei Pionierarbeit geleistet. Frauen stand damals die Universität noch nicht offen. In den Volkssternwarten konnten sie aber auch Wissenschaft machen.

Die Kuppel der Sternwarte läst sich für den freien Blick in den Himmel öffnen. (Foto: Werner Bachmeier)

Ein Teil meiner Arbeit hat auch einen klar aufklärerischen Ansatz: Ich beantworte viele Anfragen von Bürgern, die sich an uns wenden, weil sie etwas Merkwürdiges am Himmel beobachtet haben. Am Schreibtisch konzipiere ich zudem unsere Führungen, die wir auch für Kinder anbieten. Dazu kommt unser breites Vortragsprogramm. Etwa alle zwei Wochen haben wir Referenten zu Gast, die aktuelle Erkenntnisse der Physik und Astronomie so erklären können, dass auch Laien sie verstehen.

Drei Gesichter: In der empfindlichen Optik der Instrumente spiegelt sich Mirwalds Kopf. (Foto: Werner Bachmeier)

Unser größtes Problem ist die Lichtverschmutzung. Gerade München strahlt enorm viel Licht nach oben ab.  Das stört aber nicht nur die Beobachtung der Sterne, es führt auch zu einem massiven Insektensterben. Zusammen mit Biologen versuchen wir, Aufklärung zu betreiben.

Endlich ist es dunkel. Aber die Lichtverschmutzung in der Großstadt ist ein Problem. (Foto: Werner Bachmeier)

Andere Leuchtmittel und eine andere Ausrichtung der Lampen können schon enorm viel bewegen.Auch wenn alle denken, dass ich bestimmt meist nachts arbeite, bin ich hauptsächlich tagsüber hier. Aber auch dann kann ich mit dem Teleskop einen Stern beobachten: die Sonne.“

Aufmacherfoto: Werner Bachmeier

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