Kabeljaukriege vor der Küste Islands

Kabeljaukriege vor der Küste Islands

Fundstück Der Kabeljau aus den Gewässern um Island ist heiß begehrt. Wenn englische und deutsche Fischer der Vulkaninsel zu nahe kommen, sind häufig rabiate Auseinandersetzungen die Folge.

Vor der Küste Islands, knapp südlich des nördlichen Polarkreises, spielen sich im Jahr 1976 dramatische Szenen ab. Mit voller Kraft prallen das britische Kriegsschiff „HMS Scylla“ und das kleinere isländische Schiff „Odinn“ aufeinander. Ein Wunder, dass beide Schiffe seetüchtig bleiben. Die reichen Kabeljaubestände sind der Grund für die Scharmützel. Vor der Vulkaninsel liegen reiche Fischbänke. Doch nicht nur Isländer werfen hier ihre Netze aus, sondern auch Fischer aus Großbritannien und der Bundesrepublik. Die harten Konflikte, die darum ausgetragen werden, gehen als die drei „Kabeljaukriege“ in die Geschichte ein.

Im Jahr 1958 ereignet sich der erste Konflikt, als die isländische Regierung eine Schutzzone von zwölf Seemeilen vor ihrer Küste festlegt. Die Briten senden daraufhin Kriegsschiffe, um ihre Trawler zu schützen. Mit waghalsigen Manövern stört die isländische Küstenwache die Fischer beim Einbringen der Netze. Mit Erfolg: 1961 akzeptieren die Briten die Zwölf-Meilen-Schutzzone. Sie beuten zusammen mit den Deutschen die Gewässer rundherum aus.

Auch das Fangschiff „Hans Böckler“ erwischt es

Aus diesem Grund erweitern die Isländer im Jahr 1971 die Schutzzone um die Insel auf 50 Seemeilen. Um Briten und Deutsche abzuschrecken, ziehen die isländischen Schiffe mittlerweile „Klappdraggen“ hinter sich her – Anker mit messerscharfen Klingen, die die Zugseile der Netze der ungeliebten Konkurrenz durchtrennen.

Opfer dieser Taktik wird 1974 auch das Fangschiff „Hans Böckler“ der Gemeinwirtschaftlichen Hochseefischerei GmbH in Bremerhaven. 13 Jahre zuvor war das nach dem ersten DGB-Vorsitzenden benannte Schiff mit 1561 Bruttoregistertonnen von den Lübecker Flender-Werken in Bremerhaven gebaut worden. Bis zu 20.000 Mark kostet ein verlorenes Fangnetz, der eingebüßte Fang ist ein Vielfaches wert.

Die britische Regierung schickt erneut Kriegsschiffe gen Island. Wieder rammen sich die Schiffe der gegnerischen Parteien, beschießen einander mit Leuchtraketen und Granaten. Schließlich akzeptieren Großbritannien und die Bundesrepublik im Jahr 1975 die 50-Meilen-Zone, ein Jahr später, nach dem dritten Kabeljaukrieg, sogar ein Schutzgebiet von 200 Seemeilen um die Insel. Es gibt einen klaren Sieger im Kabeljaukrieg – Island hat alle Konflikte gewonnen. Die eigentlichen Gewinner sind die Fische: Langsam können sich die Bestände erholen. Island gehört bis heute nicht der EU an. Es hat seine politische Eigenständigkeit bewahrt.

Foto: HMS Scylla and Odinn collision von www.hmsbacchante.co.uk/ unter Creative Commons

Rätselfragen

1. Wie heißt der isländische Vulkan, dessen Ausbruch 2010 den Flugverkehr in Nord- und Mitteleuropa erheblich störte?

2. Wie lautet ein anderer Name des Kabeljaus?

3. Das isländische Parlament führt seine Ursprünge bis ins Jahr 930 zurück. Wie ist die genaue Bezeichnung?

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