LABOR.A – Plattform „Arbeit der Zukunft“: „Wie ein Bienenstock“

LABOR.A – Plattform „Arbeit der Zukunft“: „Wie ein Bienenstock“

Stiftung Christina Schildmann und Lisa Schrepf von der Forschungsstelle Arbeit der Zukunft koordinieren die LABOR.A – Plattform Arbeit der Zukunft – eine neue Veranstaltung der Hans-Böckler-Stiftung, die zum zentralen Diskussionsforum über die Entwicklungen und Gestaltungsmöglichkeiten einer sich wandelnden Arbeitswelt werden soll.

Frau Schildmann, Frau Schrepf, mit der LABOR.A 2018 hebt die Hans-Böckler-Stiftung am 13. September in Berlin ein ganz neues Veranstaltungsformat aus der Taufe. Die Stiftung bietet eine Plattform für Menschen aus Betrieben, Gewerkschaften, Politik, Wissenschaft und Thinktanks, die über ihre Forschung und ihre Gestaltungsideen zur „Arbeit der Zukunft“ diskutieren wollen. Wie kam es zu dieser Idee und was sind die Ziele?

Christina Schildmann: Als Lisa Schrepf und ich 2015 bis 2017 die Kommission „Arbeit der Zukunft“ betreut haben, ist uns aufgefallen, dass viele  Organisationen, Institutionen, Gremien und Stiftungen an diesem Thema arbeiten – aber größtenteils unverbunden. Es gibt bisher keinen Ort, an dem alle zusammenkommen und ihr Wissen austauschen. Die LABOR.A der Hans-Böckler-Stiftung will genau dafür eine Plattform bieten.

Lisa Schrepf: Die LABOR.A wird außerdem die Möglichkeit bieten, die vielen Denkanstöße der Kommission „Arbeit der Zukunft“ weiterzuentwickeln. Der Kommissionsbericht „Arbeit transformieren!“ hat viele Steine ins Rollen gebracht; die LABOR.A nutzen wir auch, um an drängenden Fragen weiterzuarbeiten.

Welche Fragen wären das?

Christina Schildmann: Da gibt es viele. Es ist beispielsweise nötig, neue Beschäftigungsformen besser abzusichern: Für wen gilt eigentlich noch Arbeitsschutz, für wen gelten gesetzliche Standards? Ebenfalls drängend ist die Frage, wie man Pflege- und Erziehungsberufe aufwerten kann, damit sie attraktiver werden – einerseits finanziell, andererseits, was die Arbeitsbedingungen oder die Weiterentwicklungsmöglichkeiten im Lebensverlauf betrifft. Wir haben hier in der Forschungsstelle „Arbeit der Zukunft“ die Aufgabe, das konkrete Weiterdenken an solchen Fragen zu organisieren. Die LABOR.A kann uns dazu nun jedes Jahr eine Wasserstandsmeldung der Entwicklung geben.


ZU DEN PERSONEN

Christina Schildmann und Lisa Schrepf haben von 2015 bis 2017 die Kommission „Arbeit der Zukunft“ der Hans-Böckler-Stiftung betreut. Aus dem wissenschaftlichen Sekretariat der Kommission wurde im Anschluss, geleitet von Christina Schildmann, die Forschungsstelle „Arbeit der Zukunft“, die vom Berliner Büro der Hans-Böckler-Stiftung aus die Themen des Kommissionsberichts weiter vorantreibt. In diesem Zusammenhang koordinieren die Politikwissenschaftlerinnen auch die „Wissensdrehscheibe“ LABOR.A, die gleichzeitig ein wichtiger Transferkanal für die Stiftungsaktivitäten zur „Arbeit der Zukunft“ ist.



Das bedeutet, die Teilnehmenden gestalten bei der LABOR.A maßgeblich das Programm selbst mit?

Christina Schildmann:  Ja, wir laden Institutionen und Organisationen dazu ein, sich am Programm zu beteiligen. Zu den 22 Programmpartnern gehören zum Beispiel  das NRW Fortschrittskolleg, die Bundeszentrale für politische Bildung, das Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft und weitere wissenschaftliche Institute, Einzelgewerkschaften und politische Stiftungen. Sie sind zugleich Zielgruppe und Mitgestalter. Auf der LABOR.A zeigen sie sich und können gleichzeitig entdecken, woran andere arbeiten. Es geht darum, Kontakte zu knüpfen und vielleicht sogar neue, gemeinsame Projekte zu entwickeln. Kurz gesagt: Alle, die für die „Arbeit der Zukunft“ brennen, sollen dort miteinander ins gedankliche Vibrieren kommen.

Wer wird teilnehmen?

Lisa Schrepf: Wir freuen uns auf alle, die die Arbeitswelt mitgestalten und dafür ganz konkret nach neuen Ideen suchen, wie etwa politische  EntscheidungsträgerInnen und VertreterInnen aus Gewerkschaften, Betriebsräten und Personalabteilungen.

Christina Schildmann: Es gibt in diesem Feld grade so viele Menschen, die die gleichen spannenden Themen vorantreiben wollen, aber nicht voneinander wissen. Zum Beispiel haben diejenigen, die in den Abgeordnetenbüros sitzen und darüber diskutieren, wie man diese algorithmengesteuerte Arbeitswelt der Zukunft gestalten will, vielleicht gar keine Ahnung, dass es einen von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Forschungsverbund gibt, wo spannende NachwuchswissenschaftlerInnen untersuchen, wie man Algorithmen zähmen und gesellschaftlich einbinden kann. Wenn die ihr Wissen zusammenlegen, könnten sie richtig Wucht entwickeln in der politischen Debatte. Genau für solche Begegnungen ist die LABOR.A ein guter Ort.

Auf der LABOR.A können sich alle Teilnehmerinnen oder Teilnehmer stärker einbringen, als bei anderen Konferenzen üblich. Es sind auch zwei „Ideen-Pitches“ vorgesehen, wie sie bei Werbeagenturen üblich sind. Wozu dienen diese?

Christina Schildmann: Wir laden mit diesem Format Menschen ein, Ideen zu zwei Themen zu präsentieren, die uns besonders wichtig sind. Das eine sind die Standards für eine Arbeitswelt im Wandel: Wie kann man neue Arbeitsformen besser regulieren und besser gewerkschaftlich organisieren? Und das zweite ist: „Arbeit aufwerten!“ Bei einem Pitch stellen sie in fünf Minuten ihre Pläne dazu vor.  Das ist ein kleiner Wettbewerb und gleichzeitig ein Relevanztest. Denn das Publikum darf darüber abstimmen, welche Idee es für besonders umsetzungswürdig hält. Wir wollen die Leute durch kreative Methoden ins Gespräch bringen.

Lisa Schrepf: Es soll eben nicht nur die typischen Diskussionspanels geben. Sondern wir schauen, wie das Programm beteiligungsorientiert laufen kann und welche interaktiven Formate nützlich sein könnten. So soll die LABOR.A auch eine Art Ideen-Shopping ermöglich, bei dem die Teilnehmenden hier einen guten Gedanken und da ein gutes Gestaltungswerkzeug einsammeln können.


VERANSTALTUNG

Die LABOR.A 2018 – Plattform „Arbeit der Zukunft“ der Hans-Böckler-Stiftung  findet am 13. September im Berliner „Café Moskau“ statt. Sie bietet ein kollaborativ geplantes Programm, an dem zahlreiche renommierte Programmpartner aus Gewerkschaften, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft mitarbeiten. Die Veranstaltung ist kostenlos. Anmeldungen sind noch bis zum 22. August möglich.



Als Location haben Sie sich für das Café Moskau in Berlin entschieden. Warum?

Lisa Schrepf: Es ist ein sehr offenes Gebäude, da ist viel Raum für Zusammentreffen und Ideenaustausch. Wir haben auch einen „Markt der Möglichkeiten“, also eine Art Messebereich, wo man Projekte vorstellen und kleinere, interaktive Aktionen machen kann. Dafür eignet sich der Ort sehr gut. Es ist übrigens kein gewöhnlicher „Markt der Möglichkeiten“ nach dem Motto: eine Organisation, ein Stand, ein Tresen. Sondern wir definieren Themenstationen.

Welche Themen erhalten da Raum?

Lisa Schrepf: Wir haben beispielsweise Stationen wie „Innovation neu denken“, „Geschlechtergerechtigkeit“, „Digitale Dividende“ oder „Erzählung zur Arbeitswelt der Zukunft“. Verschiedenste Programmpartner kommen an diesen Stationen zusammen und zeigen dort themenbezogen ihre Projekte. Dieser „Markt der Möglichkeiten“ ist ein zu bespielender Programmplatz. Da passiert beispielsweise so etwas wie Speed-Dating: So erklären etwa Expertinnen und Experten Betriebsräten, was ihre Forschung für die Mitbestimmung bringen kann. Und wir haben Sitzlandschaften, wo die Menschen die Vorschläge gleich besprechen können. Wir stellen uns das vor wie ein Bienenstock oder wie Waben. Eben lebendiges Treiben.

LABOR.A soll zwei Arten des Wissens liefern…

Christina Schildmann: Ja und wir versuchen, die eher technische Zukunftsfrage „Wie entwickelt sich das?“ auch immer mit der Frage „Wie gestaltet man das?“ zu verbinden.  Zum Beispiel fragen wir bei der Session „Wie arbeiten Menschen und künstliche Intelligenz eigentlich zukünftig zusammen?“ nicht nur danach, was Technik kann und welche Rolle künstliche Intelligenz demnächst in der Arbeitswelt spielen wird, sondern wir fragen auch, wie man es hinkriegt, dass bei dieser Arbeit der Mensch weiter die zentrale Rolle spielt und sich lernend weiterentwickelt, gemeinsam mit der künstlichen Intelligenz. Ähnlich ist es auch beim Thema „Agiles Arbeiten“. Da gucken wir uns erstmal an, wie das funktioniert und welche Techniken eingesetzt werden. Aber gleichzeitig zeigen wir auf, wie ein Betriebsrat die Struktur von Agilem Arbeiten nutzen kann, um das Ganze mitzugestalten.

Und, haben Sie schon etwas Lampenfieber vor der Premiere?

Christina Schildmann: Ein wenig. Die LABOR.A ist ein Pilot, eine Betaversion. Wir betrachten es als ein großes, aufregendes, ein bisschen unheimliches Experiment. Und wenn es klappt, machen wir das jedes Jahr.

Foto: Stephan Pramme

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