Sieben Praxis-Tipps für gute Betriebsratsarbeit

Sieben Praxis-Tipps für gute Betriebsratsarbeit

Betriebsrat Bald sind Betriebsratswahlen. Auf einer Tagung der Hans-Böckler-Stiftung und der IG BCE haben wir Betriebsräte nach Erfolgstipps gefragt.

Die Betriebsratswahlen 2018 stehen vor der Tür. Jede Wahl bedeutet einen Generationswechsel. In den Betriebsräten, die die IG BCE organisiert, ist fast jeder dritte Betriebsratsvorsitzende älter als 55 Jahre. Da muss man sich vor allem um die Nachfolge kümmern. Auf einer Tagung, die Ende Mai unter dem Titel „Besser geht’s mit.bestimmt!“ in Berlin stattfand , ging es nicht nur um gute Betriebsratsarbeit, sondern auch Qualifizierungsstrategien für Nachrücker – und  Karriere-Perspektiven für ausscheidende Betriebsräte.  Worauf achten die Profis? Wir bringen sieben Statements, die wir auf der Tagung gesammelt haben.

Erstens: Ständige Kommunikation


„Ständige Kommunikation mit der Belegschaft ist für Betriebsräte extrem wichtig, um noch präsenter zu sein. Wir haben eine Mailbox eingerichtet, über die sich die Beschäftigten auch anonym an uns wenden können. Das Intranet nutzen wir intensiv, um die Belegschaft mit Informationen zu versorgen. Beide Maßnahmen kamen sehr gut an.“
Beata Peter, Betriebsratsvorsitzende Bausch & Lomb Berlin-Spandau

Zweitens:  Konflikten nicht ausweichen


„Wichtig ist, dass man die Belegschaft bei der Betriebsratsarbeit mitnimmt. Der Betriebsrat darf Konflikten nicht ausweichen. Die Arbeit im Betriebsrat muss auf alle Köpfe verteilt werden. Und die Sitzungen müssen gut strukturiert sein. Das Wichtigste aber ist: Man muss motiviert sein, Betriebsratsarbeit zu machen.“
Stefan Mertens, Betriebsratsvorsitzender Kreis Weseler Abfallgesellschaft Kamp Lintfort

Drittens: Jüngere früh einbeziehen


„Nachwuchsmangel entsteht auch dadurch, dass die jüngeren Kollegen oft wenig über die Arbeit eines Betriebsrats wissen. Wenn ein Betrieb ein längere stabile Phase durchlaufen hat, haben die jüngeren Kollegen keine Erfahrungen mehr damit, wie wichtig ein Betriebsrat im Konfliktfall ist. Nachwuchsgewinnung ist dann kein Selbstläufer mehr. In solchen Situationen ist die Unterstützung durch die Gewerkschaft besonders wichtig“
Michaela Jabs, Betriebsratsmitglied Goodyear Dunlop Fürstenwalde

Viertens: Kandidaten gezielt ansprechen


Früher wurden neue Kollegen oft mehr oder weniger dazu überredet, als Betriebsrat zu kandidieren. Das führte dazu, dass die Motivation nach ein oder zwei Jahren weg war. Besser ist es, die potenziellen Kandidaten bei ihren Bedürfnissen abzuholen. Die genaue Zielgruppenansprache ist wichtig. Und es muss rechtzeitig geklärt werden, wer im Betriebsrat welche Aufgaben übernehmen will.
Jan Grüneberg, Abteilung Mitbestimmung der IG BCE

Fünftens: Im Betrieb präsent sein


„Die Präsenz im Betrieb ist extrem wichtig. Wenn freigestellte Betriebsräte oft nicht ansprechbar sind, weil sie etwa auf Dienstreise sind oder an Sitzungen teilnehmen, hat das Auswirkungen auf das Verhältnis zur Belegschaft. Nicht nur in den sechs Monaten vor der Wahl muss man Präsenz zeigen, sondern während der gesamten vier Jahre.“
Patricia Erb, Betriebsratsvorsitzende Boehringer Ingelheim

Sechstens: Qualifizieren ohne auszugrenzen


„Mehr Professionalisierung tut jedem Gremium gut. Wichtig bei Qualifizierungsmaßnahmen für Betriebsräte ist, dass der Vorsitzende sie nicht als Machtinstrument benutzt. Wenn er manche Mitglieder damit belohnt, dass sie teilnehmen dürfen, und andere klein hält, liegt darin auch eine Gefahr.“
Michael Schulte, Betriebsratsvorsitzender TÜV Nord College Recklinghausen

Siebtens: Auf außertariflich Beschäftigte zugehen


„Wir brauchen so etwas wie Mehrsprachigkeit in der Ansprache der Belegschaft. Außertariflich Beschäftigte haben andere Bedürfnisse als die Kollegen im gewerblichen und tariflichen Bereich. Die Außertariflichen und Jüngeren haben außerdem eine größere Affinität zu Informationstechnologien. Hier müssen wir uns öffnen, um Chancen zu nutzen und gleichzeitig die Risiken abzuschwächen.“
Gerhard Röder, Gesamtbetriebsratsmitglied und Sprecher AT-Beschäftigte bei Sanofi

Fotos: Christian von Polentz/transitfoto

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