WSI-Mitteilungen: 70. Geburtstag

WSI-Mitteilungen: 70. Geburtstag

Stiftung Die 1948 gegründete Fachschrift mit gewerkschaftsnaher Ausrichtung ist bis heute singulär.

Nach dem Krieg fehlten in Deutschland nicht nur Wohnungen, Kohle und Lebensmittel. Es fehlten auch Zahlen. Den Hunger nach statistischen Daten zu befriedigen war Aufgabe der „Mitteilungen der Abteilung Statistik und Wirtschaftsbeobachtung des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts der Gewerkschaften“, die am 12. Juli 1948 in Minden erschienen. Sie enthielten unkommentierte Statistik: zur Zahl der Beschäftigten in den Wirtschaftszweigen oder zu Arbeitslöhnen, getrennt nach den Besatzungszonen der Siegermächte. Das Wirtschaftswissenschaftliche Institut (WWI) war bereits 1946 gegründet worden.

Geleitet wurde es von 1948 bis 1955 von Victor Agartz, einem sozialistisch orientierten Ökonomen und Gewerkschafter, der den Diskurs in der SPD und im DGB in den frühen Nachkriegsjahren entscheidend prägte, bis seine Karriere – vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und der antikommunistischen Grundstimmung der Adenauer-Periode – Mitte der 1950er Jahre abrupt endete. Dass die ersten „Mitteilungen“ im westfälischen Minden erschienen, hat damit zu tun, dass sich hier das Verwaltungsamt für Wirtschaft (VAW) der britischen Besatzungszone und später der Bizone befand. Agartz war Leiter dieser Behörde, bevor ihm die Leitung des WWI angetragen wurde.

Das Statistikblatt entwickelte sich alsbald zu einer Monatszeitschrift mit vertiefenden, kritischen Analysen. Als 1972 die sozialwissenschaftlichen Kompetenzen des WWI gestärkt wurden, benannte man Institut und Zeitschrift um. „WSI“ ist seither das Kürzel des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung und Namensbestandteil der Zeitschrift. „Der Traditionsname verbirgt allerdings, dass sich der Charakter der Zeitschrift verändert hat“, sagt Gudrun Linne, seit 2006 Chefredakteurin.

Das Anliegen der Zeitschrift, kritischer Sozialforschung ein Forum zu bieten, ist wichtiger denn je. (…)
Anke Hassel, wissenschaftliche Direktorin des WSI

„Das Gros der Beiträge stammt von einer breit gefächerten, zum Teil internationalen Autorenschaft, und ein professionelles Begutachtungsverfahren garantiert die wissenschaftlichen Standards“, sagt Linne. Als Fachzeitschrift mit praxisorientierter politik- und gewerkschaftsnaher Ausrichtung im Themenspektrum Arbeit/Wirtschaft/Soziales ist die Publikation als Wissens- und Argumentationsquelle für Akteure aus der Arbeitswelt, Wirtschaft und Politik gedacht. Seit Januar 2018 wird sie vom Nomos-Verlag in Baden- Baden verlegt.

„Nomos ist digital gut aufgestellt“, sagt Gudrun Linne, „und befördert die Präsenz der WSI-Mitteilungen in wissenschaftlichen Bibliotheken.“ Es erscheinen sechs Ausgaben jährlich. Die gedruckte Auflage beträgt 2000 Exemplare. Die Jubiläumsausgabe 6/2018 enthält Analysen zu Fortschritten, Fehlentwicklungen und Herausforderungen in der Arbeits- und Arbeitsmarktpolitik, Sozial- und Rentenpolitik, Bildungs- und Gleichstellungspolitik wie auch für die Mitbestimmung, die industriellen Beziehungen und die strategische Ausrichtung der Gewerkschaften.

Wie es weitergeht? Anke Hassel, wissenschaftliche Direktorin des WSI und verantwortliche Herausgeberin, erklärt: „Das Anliegen der Zeitschrift, kritischer Sozialforschung ein Forum zu bieten, ist wichtiger denn je.“

Aufmacherfoto: Uli Baatz


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